direkt zum Inhalt

Soziale Stadt Birth/ Losenburg

 

Die Bauministerkonferenz der Länder hat im November 1996 in Potsdam eine Bund-Länder-Gemeinschaftsinitiative beschlossen. Sie soll der drohenden Polarisierung in den Städten Einhalt bieten. Mit dieser Initiative ist ein nationales Aktionsprogramm ins Leben gerufen worden, das eine nachhaltige Entwicklung in Stadt- und Ortsteilen mit besonderen sozialen, wirtschaftlichen und städtebaulichen Problemen sicherstellen soll (vor allem die starke Segmentierung des Wohnungsmarktes). Seit 1999 (Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern im September 1999) ist dieses Städtebauförderprogramm von Bund und Ländern um einen Programmbereich „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf – Soziale Stadt“ (kurz: Soziale Stadt) ergänzt. Heute werden bereits über 250 Standorte im Bund-Länder-Programm gefördert. Die Soziale Stadt ist ein Programm gegen soziale und räumliche Ausgrenzung.

Integriertes Handlungskonzept Velbert Birth/Losenburg

Das Integrierte  Handlungskonzept zum Download (pdf, Stand: 29.11.2011)

Soziale Stadt.NRW


Mit Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses hat sich die Stadt Velbert im Jahr 2001 die Aufnahme der Stadtteile Birth / Losenburg (incl. des Wohnbereiches „Am Plätzchen“) in das Landesprogramm „Soziale Stadt“ zum Ziel gesetzt. Dieser Schritt wurde für notwendig gehalten, da in den letzten Jahren Entwicklungstrends in Birth und Losenburg eingetreten sind, die eine deutliche Verschlechterung der weiteren Stadtteilentwicklung befürchten lassen. Im Zuge einer Ortsbegehung mit Vertretern des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW wurden zum damaligen Zeitpunkt grundsätzlich Chancen für eine Förderung integrierter Erneuerungsansätze unter der Voraussetzung der Mitwirkungsbereitschaft der örtlichen Wohnungsunternehmen und der örtlichen Akteure in Aussicht gestellt. Im Dezember 2002 wurde die WohnBund-Beratung NRW von der Stadt Velbert mit der kooperativen Entwicklung eines fortschreibungsfähigen integrierten Handlungskonzeptes beauftragt.

Im Rahmen des vorliegenden Integrierten Handlungskonzeptes (wurde im Herbst 2003 beim Land NRW eingereicht) werden ökonomische, soziale und bauliche Handlungsfelder zur Stabilisierung und zu einer langfristigen Stärkung von Birth und Losenburg als attraktive Wohn- und Lebensorte vorgestellt. Im Vordergrund des Konzeptes steht ein präventiver Handlungsansatz, mit dem den sozialen Negativtrends und den vorhandenen städtebaulichen und baulichen Mängeln rechtzeitig durch ein verstärktes gemeinsames Vorgehen aller beteiligten Akteure begegnet werden soll. Abgewendet werden soll damit eine langfristige Abwärtsentwicklung des Gebietes, indem vorhandene Entwicklungspotenziale gestärkt und dadurch später notwendige kostenintensivere Revitalisierungsmaßnahmen vermieden werden. Zum aktuellen Zeitpunkt kann das geplante Erneuerungsgebiet auf Grund der bisherigen Bestandsanalyse vor Ort, den zahlreich geführten Gesprächen mit Verwaltungsstellen der Stadt, Vertretern der Wohnungsunternehmen und mit den relevanten Institutionen, die im Stadtteil tätig sind, als relativ stabil charakterisiert werden, was die aktuelle Vermietungssituation, die allgemeine Wohnzufriedenheit und die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ‘ihrem’ Stadtteil angeht.

Anlass zur Sorge und zum gemeinsamen Handeln muss jedoch die seit 2001 nochmals verschärfte negative Entwicklung im Bereich der sozialen Situation von einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sein. Wachsende Sozialhilfezahlen und eine zunehmende Arbeitslosigkeit korrespondieren mit der von Akteuren vor Ort geschilderten Zunahme von Kinderarmut und Verwahrlosung. Es werden Verschlechterungen im Wohnbereich bemängelt unter anderem aufgrund von (Lärm)-Störungen durch öffentliche informelle Treffpunkte, die als Problemfelder benannt werden. Auch das Zusammenleben in einzelnen Wohnbereichen ist zunehmend von Konflikten und Integrationsproblemen geprägt. ‘Alteingesessene’ befürchten Überfremdung und beklagen eine mangelnde ‘Anpassung’ von Familien mit Migrationshintergrund. Es steht zu befürchten, dass es durch die weitere Konzentration dieser Bevölkerungsgruppen im Stadtteil ohne flankierende Maßnahmen zu einer weiteren Verschlechterung der Situation insgesamt, zu geringerer Akzeptanz von ‘Neu-Birthern und Losenburgern’, insbesondere aber auch zu einer kumulativen Benachteiligung dieser Bevölkerungsgruppen kommen wird.

Diese Situation wurde von den Rückzugsplänen der ev. Kirchengemeinde in Birth begleitet, die eine Schließung des örtlichen Jugendzentrums und eines Kindergartens zur Folge gehabt hätten, was zu einer deutlichen Verschlechterung der sozialen Infrastruktur beigetragen hätte. Hinzu kommt vor allem in Birth ein deutlich sichtbarer baulicher Erneuerungsbedarf der zwischenzeitlich in die Jahre gekommenen Gebäude: das äußere Erscheinungsbild von Fassaden und Hauseingängen, diffuse Erschließungssituationen sowie ein oft unattraktives Wohnumfeld prägen in Teilbereichen ein negatives Erscheinungsbild. Beispielhafte Ansätze zu einer Verbesserung sind mit der Erneuerung des Ortseingangs von Birth durch die städtische Wohnungsgesellschaft bereits zum Tragen gekommen. Diese baulichen Erneuerungsmaßnahmen allein reichen jedoch für eine nachhaltige Sicherung des Wohnstandortes nicht aus. Gleiches gilt für den einzigen Nahversorgungsschwerpunkt im Gebiet: das Einkaufszentrum Birth hat zwar einerseits durch den EDEKA-Neubau einen positiven Entwicklungsschub erhalten, ist parallel jedoch durch bauliche und städtebauliche Mängel und zunehmenden Leerstand von Ladenlokalen mittelfristig in seiner wirtschaftlichen Tragfähigkeit bedroht.

Insgesamt zeigt die Analyse, dass die bisher verfolgte Strategie, mit verstärkten Anstrengungen der örtlichen Sozialarbeit den Entwicklungen zu begegnen, allein nicht zur Bearbeitung der negativen Entwicklungen ausreicht. Die strategische Ausrichtung des Erneuerungsprozesses zielt deshalb auf eine verstärkte Verknüpfung ökonomischer und sozialer, aber auch baulicher Ziele unter der Perspektive einer ganzheitlichen Erneuerung. Dies umfasst eine integrierte Bearbeitung der Handlungsfelder Soziales, Bauen, Wohnen, Ökonomie, Kultur, Freizeit und Sport. Einen wichtigen Stellenwert hat dabei die Einbindung der Bevölkerung in den Planungs- und Gestaltungsprozess sowie die Unterstützung von vorhandenen und neuen Bewohneraktivitäten im Gebiet.

Im Rahmen der bisherigen Arbeiten rund um die Entwicklung des integrierten Handlungskonzeptes wurden zahlreiche Fachämter, Einrichtungen und Akteure aus der lokalen Politik sowie die vorhandenen Bürgervereine und Gruppen eingebunden. In den Diskussionen ist deutlich geworden, dass es ein großes Interesse und eine hohe Bereitschaft gibt, durch ein gemeinsames Vorgehen und die Unterstützung des Prozesses eine langfristig tragfähige Entwicklung von Birth und Losenburg auf den Weg zu bringen. Im Kontext der Erarbeitung des Konzeptes wurden bis Ende Juni 2003 bereits drei zentrale „Signalprojekte“ angeschoben und beim Land beantragt. Dies waren:

Die örtlichen Wohnungsunternehmen haben bereits ihre Mitwirkungsbereitschaft und eine Übernahme von Teilen der notwendigen Finanzierungsmittel zugesichert. Für die Erstellung und weitere Umsetzung des Handlungskonzeptes wurde eine Lenkungsgruppe mit den beteiligten Dezernaten der Stadt, den örtlichen Wohnungsunternehmen und dem Sozialdienst katholischer Männer und Frauen (SKFM) als Träger der allgemeinen sozialen Dienste gegründet. Mit dem seit Oktober 2003 vorliegenden Handlungskonzept sollen die erforderlichen komplexen Erneuerungsmaßnahmen der öffentlichen und privaten Akteure im Stadtteil Birth/Losenburg koordiniert werden. Es stellt in diesem Sinne kein statisches Planwerk dar, sondern soll im Laufe des Prozesses weiterentwickelt und fortgeschrieben werden. Der Förderantrag um die Aufnahme ins Bund-Länder-Programm Soziale Stadt vom Juni 2003 wurde bis auf die Zusicherung eines Quartiersmanagements vom Land zurückgestellt (Gründe sind nicht bekannt), zumindest was den Umbau des Gemeindezentrums und die Erneuerung des Einkaufszentrums Birther Kreisel angeht. Bis Ende Mai 2004 wurde aus diesem Grund eine erneute Antragstellung beim Land auf Gewährung von Zuschüssen im Jahr 2005 und Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt gestellt:
Seit August 2004 sind die Quartiersmanager (bzw. Stadtteilmanager) in einem Büro vor Ort (Birther Straße 8) eingezogen. Die Quartiersmanager sollen vor Ort alle Interessen und Kräfte bündeln und für den Stadtteil Birth / Losenburg weitere Projekte und Veranstaltungen initiieren sowie das Integrierte Handlungskonzept modifizieren und einzelne Maßnahmen ansteuern.

Die Stadt Velbert bzw. Fachabteilung IV.1.2 wirkt hier unterstützend mit und bemüht sich mit dem Quartiersmanager zusammen einen Gesamt-Rahmenplan mit den einzelnen Projekten zu gestalten. Entscheidend war die Aufnahme im Januar 2005 mit den oben genannten Projekten (EKZ Birth, Bürgerzentrum, Quartiersmanagement) in das Programm Soziale Stadt – damit ist eine wichtige Hürde genommen und es können weitere Projekte angestoßen werden. Der Umbau des Gemeindezentrums zu einem offenen Bürgerhaus wäre ebenfalls ein entscheidendes Signal für den Stadtteil, seit dem 1.3.04 hat die Stadt Velbert (Dez. III) die Offene Tür (Jugendarbeit, Sozialarbeiter vor Ort, täglich von 15-21 Uhr) übernommen, seit 1.4.04 ist der SKFM mit drei Büros eingezogen und betreut außerdem eine Ganztagesschulgruppe. Somit konnte der Schließung durch die Kirchengemeinde (betreute vorher die offene Tür), entgegengewirkt werden.
Durch den notwendigen Umbau können (bei Förderung) noch weitere Räume (z.B. auch für eine 4. Kindertagesgruppe) und eine Öffnung für jeden Bereich sowie eine entsprechende Außengestaltung geschaffen werden. Weitere Ideen bzw. Planungen sind wie erwähnt in Arbeit und werden mit dem Stadtteilmanagern bis Mai 2006 modifiziert und in den Förderantrag für 2007 im Rahmen des Bund-Länder-Programms mit eingebunden.